Fotos aus Kabul

Begonnen von Floridaadler, Februar 23, 2006, 16:20:57

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hannes

@ Floriaadler

Vielen Dank für diese eindrucksvollen Berichte und Stimmungen.
Das sieht leider noch alles viel düsterer und trauriger aus, als ich gedacht habe.
Da hat man fast den Eindruck, daß die US Invasion vieles verschlimmert, statt gebessert hat.
Man war ja immer der Meinung, daß die Taliban aus Afghanistan vollständig rausgeworfen wurden.
Aber offenbar gibt es noch immer Banditen und Rechtslose en Masse.

Kann man als Angestellter so einen Auftrag nach Kabul zu reisen auch verweigern (wegen Sicherheitsbedenken).
Ich denke schon, oder ?

Tobi

#11
denke auch wenn die taliban aus afghanistan raus sind, banditen gibts deswegen trotzdem, gehören zu jedem land wie der schnee zum gipfel. und der satz "gelegenheit macht diebe" ist einer der wahrheitsnähesten sprichwörter der welt. wo es löcher in der sicherheit gibt wird es leute geben die diese früher oder später nutzen, so klein diese auch sind (die löcher, nicht die leute....).

aber schon heftig was da unten noch so los ist.....das bild von kabul aus der luft, das ist aber nicht alles von der stadt oder? oder sind auf dem stück echt 3mio menschen untergebracht? wenn ja, sehr heftig....

tobi

ps: die pics funktionieren jetzt, jürgen hats hingebracht, danke!
World, put your helmet on and get ready for us!

https://www.tobitrips.de

Floridaadler

@tobi: Natürlich ist das nicht alles, aber Luftfotos von der ganzen Stadt wären auch sehr unpräzise, respektive würden nicht den Eindruck hinterlassen können - Gegenfrage: Kannst Du Dir ein Luftfoto von ganz Berlin vorstellen?

Die Taliban sind eine eigene Glaubensrichtung, die im Prinzip "zurück ins Mittelalter" fordern. Das ist zumindest der Eindruck, den mir mehrere Afghani vermittelt haben - ein Mann war Arzt, der Prothesen für Beine angepasst hat. Unter den Taliban durfte er keine Frauen behandeln, aber eine ausgebildete Frau gab es auch nicht. Das hat sich erst mit dem Regimewechsel vollzogen.

@hannes: Auch wenn die Amerikaner nicht so beliebt sind, haben sie tatsächlich den Aufschwung und die Demokratisierung des Landes vorgenommen. Sie sorgen tatsächlich für Verbesserungen, werden aber selber Ziele der "Taliban" respektive "Fundamental-Islamisten".
Allerdings sind manche Dinge nicht so wie sie scheinen. Amerika zahlt jährlich 7,1 Milliarden US$ nach Afghanistan. Das ist verdammt viel Geld.
Es sieht nur so aus: Eine amerikanische Kommission entscheidet, daß bspw. eine Straße nach Djalalabad benötigt wird. Dann wird eine amerikanische Firma mit der Schätzung der Kosten beauftragt. Die schätzt, das kostet 400 Millionen US$. Dann wird eine Ausschreibung für amerikanische Firmen gemacht, die bereit sind zu diesem Preis zu bauen - oder günstiger. Dann bekommt eine amerikanische Firma den Bauauftrag, die amerikanische Arbeiter nach Kabul sendet und die Straße für 350 Millionen US$ baut. Will sagen: Die Afghani haben dann zwar eine Straße nach Djalalabad - nur Arbeit haben sie damit keine.
Zu Deiner zweiten Frage: Das Auswärtige Amt rät immer noch von Reisen nach Afghanistan ab. Das würde ich auch tun. Als Angestellter sieht das Leben dann halt so aus, daß Du abends im bewachten Hotel bist - und tagsüber auf Deiner bewachten Arbeit. Das heißt aber nicht, daß es ungefährlich ist. In der Zeit in der ich da war, wurden 2 Raketen auf das Verteidigungsministerium geschossen. Es gab nur Sachschaden. Ich erfuhr es von UN-Mitarbeitern. Durch die Presse ging es nicht. Es gab ja keine Verletzten oder Tote. No casualties - no news..

Grüße
Floridaadler 8)



*** Grüsse an alle Weltreisenden ***

hannes

hi Floridaadler,

Man hat von der Berichterstattung die Meinung vermittelt bekommen, daß die Taliban durch die USA in Afghanistan eliminiert wurden.,was ja offenbar nicht stimmt.
Wenn ich Dich richtig verstanden habe, dann sind es nicht religiös fundamentalistische Anschläge auf die Ungläubigen, sondern vorallem Verbrechen mit materiellem Hintergrund. Kurz gesagt, es geht ums Geld. Und wenn man einen reichen Europäer oder Amerikaner entführen kann, dann werden die Firmen
für die er arbeitet, wohl viel Geld für ihn springen lassen ...

Hättest Du eigentlich den Auftrag auch Sicherheitsgründen auch ablehnen können ?
Bzw. welche Luftlinien fliegen denn nach Afghanistan ? Linienmaschinen ?

lg

hannes

Floridaadler

Hallo Hannes,

ja ich hätte auch ablehnen können, aber nach meinem ersten Besuch hatte  ich (und habe ich noch) viel Sympathie für die Menschen, die dort leben und arbeiten. Finanziell war es nicht lohnend, aber das war auch nicht meine Intention.

Die Taliban sind nach wie vor existent, nur haben sie eben keine Machtbefugnisse mehr. 1945/1946 gab es ja auch noch Nazis in Deutschland.

Kleiner Exkurs: (ggf. Klick auf Exkurs)

Taliban, طالبان (persischer Plural von arabisch talib "Student" ) bezeichnet eine Gruppe streng islamisch-sunnitischer Fundamentalisten, deren Anführer und viele Mitglieder in islamistischen Schulen in Pakistan ausgebildet wurden und deren Handeln und Ideologie massiv vom radikal-orthodoxen Islam (siehe: Wahhabismus) und vom paschtunischen Nationalismus (siehe Paschtunwali) beeinflusst werden. Die Taliban sind den Schiiten feindlich gesinnt. Die Taliban bezeichnen sich selber als Mitglieder der sunnitischen Rechtschule Abu Hanifas.

Bei den Entführungen kann es um Geld gehen, schlimmer wäre es, wenn Häftlinge freigelassen werden sollen, denn welches Regime läßt sich erpressen... Was bei Frau Osthoff passiert ist haben wir ja auch gesehen.

Geflogen sind wir ab Frankfurt direkt nach Kabul (jeweils Mi. + So. gehen Maschinen - wenn sie gehen, es gab da auch schon 2-tägige Verspätungen) mit Ariana Afghan Airlines.

Grüße
Floridaadler 8)




*** Grüsse an alle Weltreisenden ***